Das US-Finanzministerium hat zwei iranische Kryptowährungsbörsen und mehrere mit deren Betreiber verbundene Unternehmen mit Sanktionen belegt und wirft dem Netzwerk vor, bei der Verschiebung illegaler Gelder für die iranischen Revolutionsgarden und bei der Umgehung von US-Sanktionen geholfen zu haben.
Das Office of Foreign Assets Control (OFAC) gab am 7. August die Sanktionen gegen Shelbit Exchange, das iranische Unternehmen Aban Tether, den Shelbit-Betreiber Siavash Kayvanpour sowie mehrere mit ihm verbundene Firmen bekannt. Das US-Finanzministerium erklärte, die Maßnahmen seien Teil der umfassenderen Kampagne „Economic Fury“ der Trump-Regierung gegen iranische Finanznetzwerke.
Wichtige Erkenntnisse
- Das OFAC hat Shelbit Exchange, Aban Tether und mehrere mit dem Shelbit-Betreiber Siavash Kayvanpour verbundene Unternehmen mit Sanktionen belegt.
- Von IRGC-nahen Wallets wurden mehr als 1 Million Dollar an Shelbit überwiesen, während mehr als 2 Millionen Dollar von Shelbit-Adressen auf IRGC-nahe Wallets flossen.
- Von Kayvanpour kontrollierte Adressen wurden außerdem mehr als 2 Millionen Dollar an die zuvor sanktionierte iranische Börse Nobitex überwiesen.
- Das Finanzministerium teilte mit, dass Dutzende Millionen Dollar aus einem persischsprachigen Glücksspielnetzwerk über Shelbit gewaschen wurden.
- Mit dieser Maßnahme wird der Druck der USA auf die iranische Krypto-Infrastruktur im Rahmen der Kampagne „Wirtschaftliche Wut“ ausgeweitet.
Das Finanzministerium nimmt Shelbit und sein gesamtes Netzwerk ins Visier.
Die Ermittlungen des Finanzministeriums konzentrierten sich vor allem auf das Netzwerk von Unternehmen, die Shelbit und Kayvanpour in verschiedenen Jurisdiktionen operierten.
Laut OFAC wurden über Kryptowährungsadressen mit Verbindungen zur Revolutionsgarde (IRGC) mehr als eine Million US-Dollar an Shelbit-Adressen transferiert, während über zwei Millionen US-Dollar in umgekehrter Richtung flossen. Das US-Finanzministerium identifizierte zudem Überweisungen von über zwei Millionen US-Dollar von Adressen, die von Kayvanpour kontrolliert wurden, an Nobitex, ein Unternehmen, das die USA Anfang des Jahres sanktioniert hatten. Kayvanpour wurde gemäß Executive Order 13224 sanktioniert, da ihm vorgeworfen wird, die Revolutionsgarde und Nobitex finanziell, materiell oder technologisch unterstützt zu haben.
Die Sanktionen erstrecken sich auch über Shelbit selbst hinaus. Das OFAC sanktionierte Shelbit General Trading LLC, die unter dem Namen Shelbit Exchange firmiert, sowie Shelbit Technologies in Polen und die mit Kayvanpour verbundenen Unternehmen Crypto Home DMCC und NFT Home DMCC in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Das Netzwerk hatte bereits die Aufmerksamkeit der Regulierungsbehörden in den VAE auf sich gezogen. Das Finanzministerium teilte mit, dass die Regulierungsbehörde für virtuelle Vermögenswerte im Januar 2025 und erneut im Juli 2026 Maßnahmen gegen Shelbit General Trading ergriffen hat.
Aban Tether mit sanktionierten Börsen verbunden
Aban Tether wurde separat auf die Sanktionsliste gesetzt. Laut OFAC wickelte die iranische Kryptobörse Transaktionen in Millionenhöhe ab, die zuvor sanktionierte iranische Kryptoplattformen wie Nobitex, Wallex, Bitpin und Ramzinex betrafen. Das US-Finanzministerium sanktionierte Aban Tether gemäß Executive Order 13902 wegen seiner Tätigkeit im iranischen Finanzsektor.
Diese Einstufung zeigt, dass sich die Durchsetzungsmaßnahmen Washingtons über einzelne Transaktionen mit sanktionierten Unternehmen hinaus auch auf Börsen erstrecken, die die finanzielle Infrastruktur für diese Transaktionen bereitstellen.
Das Glücksspielnetzwerk hat eine weitere Ebene hinzugefügt
Das US-Finanzministerium warf Shelbit außerdem vor, Kryptowährungen verarbeitet zu haben, die mit einem großen persischsprachigen Online-Glücksspielnetzwerk in Verbindung standen. Dieses Netzwerk wurde von zwei iranischen Influencern betrieben, die außerhalb des Irans leben. Laut Ministerium wurden über Shelbit digitale Vermögenswerte in Millionenhöhe aus diesem Netzwerk gewaschen. Die Betreiber seien 2023 im Iran wegen illegalen Glücksspiels verurteilt worden, dennoch hätten ihre Websites weiterhin auf die regulierte Online-Zahlungsinfrastruktur des Irans zugegriffen.
Die Anschuldigung verdeutlicht das umfassendere Finanznetzwerk, das das US-Finanzministerium nach eigenen Angaben ins Visier nimmt. Anstatt sich auf eine einzige Börse zu verlassen, sollen iranische Akteure Gelder über Börsen, Unternehmen und Online-Shops in verschiedenen Ländern transferiert haben.
„Wirtschaftliche Wut“ setzt Kryptobörsen unter Druck
Finanzminister Scott Bessent sagte, die jüngste Maßnahme zeige, dass die Druckkampagne der Regierung auch die digitale Vermögensinfrastruktur Irans erreiche.
„Ob in Dollar, Rial oder Kryptowährung – das Finanzministerium wird die illegalen Finanznetzwerke, die das Regime am Leben erhalten, aufspüren und zerschlagen.“
Die Aktion wurde mit der Abteilung für Steuerstrafsachen des IRS abgestimmt, während das Programm „Rewards for Justice“ des US-Außenministeriums weiterhin bis zu 15 Millionen Dollar für Informationen bietet, die die Finanzmechanismen der Revolutionsgarde stören.
Für Kryptowährungsunternehmen verstärken die Sanktionen die Risiken bei der Abwicklung von Transaktionen mit iranischen Unternehmen, die bereits US-Sanktionen unterliegen. Das OFAC erklärte, dass US-Bürgern Transaktionen mit den genannten Parteien generell untersagt sind und Vermögen sowie Vermögensinteressen unter US-amerikanischer Gerichtsbarkeit gesperrt werden.
Fazit
Die Sanktionen gegen Shelbit und Aban Tether stellen eine weitere Eskalation im Kampf Washingtons gegen iranische Kryptonetzwerke dar. Indem das OFAC Börsen, Betreiber und verbundene Unternehmen anstatt einzelner Wallets ins Visier nimmt, versucht es, die Infrastruktur zu zerstören, die es sanktionierten iranischen Unternehmen ermöglicht, digitale Vermögenswerte über internationale Märkte zu transferieren.
Diese Maßnahme signalisiert zudem, dass iranische Kryptobörsen weiterhin eine hohe Priorität für das US-Finanzministerium darstellen. Im Zuge der von Washington fortgesetzten Kampagne „Wirtschaftlicher Zorn“ sehen sich Börsen und andere Unternehmen im Bereich digitaler Vermögenswerte, die mit Irans sanktionierten Finanznetzwerken verbunden sind, zunehmender Kontrolle und Sanktionsfolgen ausgesetzt.
